Gast­-
beitrag

Paul Eichengrün
1899–1985

Beliebter Vorstand 
des FC Schalke 04

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Er ermahnt die Versammlung, auch weiter nach der Devise zu handeln: Alles für Schalke 04!

Gelsenkirchener Zeitung

Dr. Paul Eichengrün war seit 1925 Vereinsmitglied des an die Spitze des deutschen Fußballs strebenden Revierclubs FC Schalke 04. 1932 wählten die Königsblauen den umsichtigen und weitsichtigen Funktionär zum 2. Vorsitzenden des Clubs. Als er sein Amt ein Jahr später niederlegen musste, engagierte er sich im jüdischen Fußballbund »Schild« und war Garant für einen trotz aller Repressalien stetig wachsenden Spielbetrieb bis zu dessen Verbot 1938.

Einer, der die Sprache der Spieler spricht

Der Weg des Fußball-Clubs Schalke 04 an die sportliche Spitze zeichnet sich 1932 deutlich ab. Im Mai des Jahres ist man erst im Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft Eintracht Frankfurt nur knapp mit 1:2 unterlegen. Bei der Jahreshauptversammlung am 23. Juli 1932 wählen die Anwesenden ein neues Gesicht in den Vorstand: Dr. Paul Eichengrün. Der 32-jährige Zahnarzt mit eigener Praxis in der Gelsenkirchener Innenstadt ist seit sieben Jahren Vereinsmitglied und wird zum zweiten Vorsitzenden gewählt.

Die Wahl ist ein Ausdruck von Eichengrüns Beliebtheit. Das mit Abstand jüngste Vorstandsmitglied gilt als ungeheuer sportinteressiert und spricht aufgrund seines Alters die Sprache vieler Spieler. In Gelsenkirchen hat er 1924 den Sportklub Hakoah gegründet, bei Schalke 04 spielt er bereits bei den »Alten Herren« mit. Die Meisterschaftsspiele der ersten Ruhrbezirksliga – wie die höchste Spielklasse im Fußball damals heißt– begleitet er regelmäßig als Funktionär.

Die immer dramatischeren politischen Wirren des Jahres machen vor dem Club nicht halt. Der neue erste  Vorsitzende WILHELM MÜNSTERMANN und Eichengrün wollen Politik möglichst aus dem Club heraushalten, um die Streitigkeiten nicht ins Vereinsleben mitzunehmen. Für Eichengrün eine Frage der Räson. Aus seiner Zeit als Medizinstudent an der Universität Heidelberg ist von ihm bekannt, dass er sich gegen antisemitische Angriffe sehr wohl in jeder Hinsicht zu wehren wusste.

Erzwungene Amtsaufgabe

Dennoch nehmen einige Mitglieder an der jüdischen Herkunft Paul Eichengrüns bereits Ende 1932 Anstoß. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind, setzt im gesamten Fußball eine unheilvolle Dynamik ein – und Schalke 04 bildet keine Ausnahme: Alle gesellschaftlichen Organisationen und ebenso der Sport sollen gleichgeschaltet werden. Bis der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Vereinen die nationalsozialistische Einheitssatzung vorschreibt, führen viele Clubs, darunter auch Schalke 04, diese bereits in vorauseilenden Gehorsam früher ein. Demokratische Prinzipien wie die freie Wahl des Vorsitzenden existieren nicht mehr.

Paul Eichengrün vor dem Freundschaftsspiel Bayern München - Schalke 04 im Oktober 1932 noch inmitten der Spieler.
Paul Eichengrün vor dem Freundschaftsspiel Bayern München - Schalke 04 im Oktober 1932 noch inmitten der Spieler. / © Schalke 04

Angesichts dieser drohenden Veränderungen gibt Eichengrün auf der Mitgliederversammlung am 5. April 1933 sein Amt auf. Nach einem Bericht der »Gelsenkirchener Zeitung« bedauert der Verein sein Ausscheiden:

»Herr Dr. Eichengrün begründete dann noch einmal kurz seinen Austritt. Er habe geglaubt, im Interesse des Vereins gehandelt zu haben, wenn er sein Amt schweren Herzens niederlege. Er sei aber bereit, dem Verein auch weiterhin als Mitglied mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Sturm, der das Schiff von Schalke 04 nun so lange Zeit hin und her geschleudert habe, bald einer ruhigen Brise Platz mache. Er ermahnt die Versammlung, auch weiter nach der Devise zu handeln: Alles für Schalke 04!«

Organisationstalent für »Schild«

Seine Begeisterung und sein Organisationstalent widmet Paul Eichengrün nach seinem Ausschluss aus dem Verein dem jüdischen Sportbund »Schild«, in dem sich jüdische Sportlerinnen und Sportler zusammenfinden. Eichengrün agiert als Fußball-Obmann. Er führt Spielerpässe ein und ordnet an, dass Regeländerungen, die der DFB beschließt, ungeachtet der eigenen Ausgrenzung auch von Schild übernommen und eingehalten werden. Seine Verdienste um die Organisation werden auch vom Sportbund im Reichsverband jüdischer Frontsoldaten in seinem publizistischen Organ »Die Kraft« gelobt.

»Schon eine kurze Tätigkeit im Sportbund zeigte, über welch hervorragende Fähigkeiten als Sportführer er verfügt, und so wurde er nach einjähriger Tätigkeit zum Leiter des Ruhrbezirks ernannt, und ein weiteres Jahr sah ihn als Reichsobmann für Fußball. Ihm ist es in erster Linie zu danken, wenn eine planmäßige Organisation unseres Fußballsports durchgeführt werden konnte. Wenn sich heute nicht nur dauernd das Spielniveau hebt, sondern auch die Zahl der Mannschaften und Spiele zunimmt, so ist es in hohem Maße auch sein Verdienst«
»Die Kraft«, Beilage zur Zeitschrift des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten »Der Schild«

Turnerinnen und Turner des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Gelsenkirchen, 1935 (2. Reihe von oben, 4. von links: Paul Eichengrün)
Turnerinnen und Turner des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Gelsenkirchen, 1935 (2. Reihe von oben, 4. von links: Paul Eichengrün) / © Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen

Fortschreitende Ausgrenzung

Beruflich muss Paul Eichengrün bald schwere Verluste hinnehmen. Die nationalsozialistische Hetze führt dazu, dass zunehmend viele Patienten wegbleiben. Die Einnahmen decken kaum noch die Ausgaben. Zudem sperren die Machthaber sämtliche Konten Eichengrüns, für jede noch so geringe Auszahlung oder Überweisung muss er eine schriftliche Genehmigung einholen. Trotz fortschreitender Ausgrenzung können sich Paul Eichengrün und seine Frau Ilse lange nicht dazu entschließen, mit ihren Kindern Lore und Werner Deutschland zu verlassen.

»Und dann kamen sie in unser Haus, bestimmt 20, 25 Leute. Vater kannte einige, weil sie seine Patienten gewesen waren. Sie waren wie wilde Tiere. Sie stürmten in die Küche, sie zerstörten alles.«

Lore Eichengrün

In der Reichspogromnacht 1938 zerstören die Nazis das Wohnhaus der Eichengrüns. In einem Wortlautinterview des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen erinnert sich LORE, die sich nach der Flucht in die USA in Laura umbenennt: »Und dann kamen sie in unser Haus, bestimmt 20, 25 Leute. Vater kannte einige, weil sie seine Patienten gewesen waren. Sie waren wie wilde Tiere. Sie stürmten in die Küche, sie zerstörten alles.« Am Ende nehmen die Nazis Paul Eichengrün fest und inhaftieren ihn in der Polizeistation. Seiner Frau gelingt es jedoch, ihren Mann gegen eine hohe Kaution freizukaufen.

Die schrecklichen Erlebnisse führen bei den Eichengrüns zum Umdenken. Im Februar 1939 schicken sie ihre Tochter und ihren Sohn mit einem der so genannten Kindertransporte, die die jüdische Gemeinde in Großbritannien mit der dortigen Regierung unter Duldung der Nationalsozialisten ausgehandelt hatte, nach England. Dort nehmen Pflegefamilien Lore und Werner auf. Die Geschwister sind nun in Sicherheit, wissen jedoch nicht, ob sie ihre Eltern jemals wiedersehen. Erst drei Wochen vor Kriegsbeginn gelingt auch dem Ehepaar Eichengrün dank Bürgschaften die Ausreise ins Königreich. Im Oktober 1940 darf die Familie in die USA ziehen.

Keine offizielle Rehabilitierung

In Nordamerika darf Paul Eichengrün jedoch nicht mehr als Zahnarzt arbeiten, weil die Nazis ihm den Doktortitel entzogen haben. Die »Mitteilung über die Aberkennung des akademischen Grades« der Medizinischen Fakultät Heidelberg wird im »Deutschen Reichsanzeiger« am 11. Februar 1942 veröffentlicht. Sie beruft sich auf § 2 des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933, nach dem Eichengrün »der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt worden« sei. 

Liste der Universität Heidelberg zur
Liste der Universität Heidelberg zur "Aberkennung der akademischen Grade" vom Februar 1942: 4. Paul Eichengrün (Medizinische Fakultät) / © FC Schalke 04

»Der Entziehungsbeschluss ist mit der Veröffentlichung im Deutschen Reichsanzeiger rechtskräftig.«

Deutscher Reichsanzeiger, 11. Februar 1942

Eine öffentliche Rehabilitierung oder eine persönliche Entschuldigung erfolgt seitens der Hochschule nicht, wenngleich in den 50er-Jahren in den Akten vermerkt wird, dass die Entziehungen aus politischen Gründen grundsätzlich als annulliert zu betrachten sind. In den Vereinigten Staaten findet Paul Eichengrün, der sich in den USA den Namen PAUL OAKES nennt, schließlich als Zahntechniker Arbeit und Einkommen. Er stirbt 1985, seine Frau ILSE bereits 1960.

Paul Eichengrün mit seiner Frau Ilse und Tochter Lore auf Norderney, um 1930
Paul Eichengrün mit seiner Frau Ilse und Tochter Lore auf Norderney, um 1930 / © Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen

Vererbte Vereinsliebe

Die Geschichte der Familie Eichengrün ist bis zur Gegenwart mit Gelsenkirchen und auch dem FC Schalke 04 vernetzt: Lore Eichengrün, die nach ihrer Heirat in den USA Laura Gabriel heißt, besucht als Überlebende der Shoah auf Einladung der Stadt Gelsenkirchen 1998 ihren Geburtsort. 

Laurence Gabriel, Paul Eichengrüns Enkel, bei seinem Besuch im Museum des FC Schalke 04
Laurence Gabriel, Paul Eichengrüns Enkel, bei seinem Besuch im Museum des FC Schalke 04 / © Schalke 04

Seit einigen Jahren steht der FC Schalke 04 mit ihrem Sohn LAWRENCE in Kontakt. Er ist mit dem Ruhrgebiet verbunden, denn er arbeitet für eine Tochtergesellschaft der aus der früheren Ruhrkohle AG hervorgegangenen Evonik Industries im US-Bundesstaat New York. Die Leidenschaft für den FC Schalke 04 hat PAUL EICHENGRÜN seinem Enkel vererbt. Er hat bereits mehrmals den Herzensvereins seines Großvaters besucht und schaut regelmäßig die Übertragungen der Bundesliga-Spiele.

»Nie wieder gleichgültig sein«

Der FC Schalke 04 hat sich in den vergangenen 25 Jahren intensiv mit seiner Vereinsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und daraus Verantwortung abgeleitet. Als 2001 bekannt wird, dass Meisterspieler Fritz Szepan Profiteur der Arisierung eines Textilgeschäftes war, sieht der Club von einer Benennung des Jugendinternats nach ihm ab. Vielmehr gibt er als erster deutscher Verein eine unabhängige wissenschaftliche Studie über sein Verhalten während der Zeit des Nationalsozialismus in Auftrag. Die 2004 entstandene Publikation »Zwischen Blau und Weiß liegt Grau« belegt: Trotz seiner sportlichen Erfolge in dieser Zeit ist Schalke 04 kein von den Machthabern bevorzugter »Naziclub«. Schalke 04 hat sich im »Dritten Reich« jedoch zu keiner Zeit schützend vor seine jüdischen Mitglieder und Mitbürger gestellt. »Nie wieder gleichgültig sein« ist nach Elie Wiesel der Auftrag, den der Club inzwischen daraus ableitet.

"Sie waren mitten unter uns, sie gehörten und gehören zu uns." - Gedenktafel für die verfolgten und ermordeten jüdischen Schalker an der Tausend-Freunde-Mauer vor der VELTINS-Arena

»Königsblau ist stärker als Braun.«

FC Schalke 04

Schalke 04 engagiert sich seit vielen Jahren aktiv gegen Antisemitismus, hat 2011 den jüdischen Schalkern einen Erinnerungsort an der Tausend-Freunde-Mauer an seinem Stadion geschaffen. Seit 2018 vergibt der Club die Ernst-Alexander-Auszeichnung für Integration, Vielfalt und Toleranz. Sie ist benannt nach dem jüdischen Nachwuchsspieler Ernst Alexander, der ab 1933 keine Chance mehr hatte, in die erfolgreiche erste Mannschaft aufzurücken, und 1942 nach seiner Flucht in die Niederlande vom sogenannten Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. 

In Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, dem Institut für Stadtgeschichte sowie dem Schalker Fanprojekt hat der FC Schalke die Biografien ehemaliger Spieler, Förderer und Funktionäre in »Spurensuche – Jüdische Schicksale auf Schalke« zusammengetragen. Der Band erzählt nicht nur die Lebens- und Leidenswege der jüdischen Schalker. Er führt gleichzeitig zu Gelsenkirchener Orten, an denen sie einst mitten unter uns lebten und Spuren hinterließen.

Die »Spurensuche« richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler aus Gelsenkirchen. Selbstverständlich aber auch an alle Schalker, denen die Erinnerung an die jüdischen Mitglieder der Vereinsfamilie eine Herzensangelegenheit ist. Die Publikation kann kostenlos bei der Stiftung Schalke hilft! bezogen werden.

»Sind wir bereit, die Spuren der jüdischen Schalker zu erkunden, so können wir ein Gespür dafür gewinnen und auch neue Spuren hinterlassen. Demokratische Spuren. 
Glück auf und Shalom!«

Peter Peters, Vorstandsmitglied FC Schalke 04 e.V.

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Über das Porträt

Ein »Erinnerungsstück« ist ein Gastbeitrag von
FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V.
www.schalke04.de

Autoren: Dr. Christine Walther, Leiterin Vereinsangelegenheiten, und Thomas Spiegel, Direktion Fans & Nachhaltigkeit, FC Schalke 04

Redaktionelle Bearbeitung und Gestaltung: Dr. Jessica Popp, AsKI e.V.

Techn. Bearbeitung von Bild-, Audio- und Videodateien: Franz Fechner, AsKI e.V.

Quellenangaben

Der FC Schalke 04

Der FC Schalke 04 gehört mit über 160.000 Mitgliedern zu den fünf größten Sportvereinen der Welt. Mit sieben deutschen Meisterschaften in den Jahren 1934 bis 1958 sowie fünf Siegen im DFB-Pokal, zuletzt 2011 und dem Sieg im UEFA-Pokal 1997 gehört er zu den erfolgreichsten deutschen Fußballvereinen.

Gegründet wurde er am 4. Mai 1904 als Westfalia Schalke von 14-, 15-jährigen Jungen. So erklärt sich auch der erste Beiname für den Verein: die »Knappen«, so hießen Lehrlinge im Bergbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zu denen auch die Vereinsgründer gehören. 1924 erfolgte die Umbenennung in FC Schalke 04, 1928 – als Dankeschön an die Stadt für die Unterstützung beim Bau des ersten vereinseigenen Stadions Kampfbahn Glückauf – gab man sich den bis heute gültigen Vereinsnamen »Fußball-Club Gelsenkirchen-Schalke 1904 e.V.«, kurz Schalke 04.

Mit dem »Schalker Kreisel«, einem ballbesitzorientierten Flachpassspiel, welches Ball und Gegner laufen ließ, begeisterten die »Königsblauen« seit Mitte, Ende der 1920er-Jahre Fans in ganz Deutschland, die ihre Begeisterung für den Verein von Generation zu Generation weitergaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Meisterelf von 1958, die Pokalsieger 1972, das »Eurofighter« getaufte Team, welches 1997 den UEFA-Cup gewann, sowie die »Meister der Herzen« 2001, die den Meistertitel erst durch einen indirekten Freistoß für den FC Bayern München in der Nachspielzeit am letzten Spieltag verloren, die das positive sportliche Bild des Clubs prägten.

Dass Schalke 04 im Bundesligaskandal 1971 nach Bestechung durch den Gegner Arminia Bielefeld das Spiel verschob, absichtlich verlor, und somit den Abstiegskampf beeinflusste, gehört hingegen ebenso zu den sportlichen Tiefpunkten wie drei Abstiege aus Bundesliga in den 1980er-Jahren und der vierte Abstieg 2021. Die Treue seiner Fans ist hingegen sprichwörtlich. Seit dem Umzug 2001 lag der Zuschauerdurchschnitt in der im Besitz des Clubs befindlichen, eigenfinanzierten VELTINS-Arena in allen regulären Spielzeiten (Ausnahme: Corona 2020-2022) bei über 60.000 Zuschauern. Wegweisend für den Club ist die letzte Zeile seines Vereinslieds »Blau und Weiß, wie lieb ich dich«, der auch als Motto in der berühmten Nordkurve, dem Stehplatzbereich der Heimfans, hängt: »Tausend Freunde, die zusammenstehn, dann wird der FC Schalke niemals untergehn«.

Schalke hilft!

Schalke hilft! ist die 2008 gegründete vereinseigene gemeinnützige Stiftung des FC Schalke 04. Im Fokus ihres Handelns liegt die schnelle, unbürokratische und direkte Hilfe für Menschen aus Gelsenkirchen, dem Ruhrgebiet und den angrenzenden Regionen. Schalke hilft! setzt auf die Kraft des Sports, die Gesellschaft positiv zu beeinflussen und soziale Veränderungen voranzutreiben, das Leben der Menschen vor Ort und ihr Lebensumfeld nachhaltig zu verbessern.

Schalke hilft! engagiert sich besonders in deren Bereichen Bildung und Gesundheit, der Obdachlosenhilfe, erfüllt Herzenswünsche von Menschen mit schweren Schicksalen und setzt sich aktiv für die Integration von Flüchtlingen ein.

#stehtauf

Unter dem Leitmotiv #stehtauf bündelt der FC Schalke 04 sein Engagement für ein tolerantes und vielfältiges Schalke. Er setzt sich entschlossen gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung ein.

Einer der wichtigen Handlungsfelder ist sein konsequentes Eintreten gegen Antisemitismus. Als erster deutscher Fußballclub hat Schalke 04 bereits 2003 eine unabhängige wissenschaftliche Studie über das Verhalten des Clubs und seiner Repräsentanten, Spieler und Anhänger in der Zeit des Nationalsozialismus beauftragt. Sie ist seit 2005 in Buchform unter dem Titel »Zwischen Blau und Weiß liegt Grau. Der FC Schalke 04 in der Zeit des Nationalsozialismus« von den Autoren Stefan Goch und Norbert Silberbach erhältlich.

Unter dem Stichwort Spurensuche arbeitete der Club die Biografien jüdischer Schalker in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte der Stadt Gelsenkirchen auf. Die bittere Erkenntnis dieser Recherchen: Während der Zeit des Nationalsozialismus hat sich der FC Schalke 04 nicht schützend vor seine jüdischen Mitglieder und Förderer gestellt. Im Gegenteil – manch einer aus den Reihen des Vereins profitierte von der Entrechtung der Juden.

Aus dieser dunklen Vergangenheit erwächst für Königsblau eine immerwährende gesellschaftliche Verpflichtung. Schalke 04 muss für Menschlichkeit, Integration, Toleranz und Vielfalt einstehen. Dieser Verantwortung stellt sich der Club seit zwei Jahrzehnten sehr aktiv.

Seit 2018 verleiht er in Erinnerung seines 1942 in Ausschwitz ermordeten Jugendspielers die Ernst Alexander Auszeichnung, welche öffentliches Engagement für Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches Miteinander sowie gegen Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus, Extremismus und Gewalt würdigt.

Seit 2017 bietet der Club seinen vielen interessierten Fans Gedenkstättenfahrten nach Ausschwitz an. 2022 trat auch die Traditionself des FC Schalke 04 auf eigenen Wunsch eine solche Fahrt an. Aus diesen Fahrten entwickelten Anhänger des Vereins das Projekt »Erinnerungsort Wildenbruchplatz«. Dieser Initiative ist es zu verdanken, dass es 80 Jahre nach der größten Deportation von Juden aus Gelsenkirchen am 27. Januar 1942 endlich eine Gedenktafel zu diesem größten Verbrechen der Stadtgeschichte gibt.